„4 Millimeter Mindestprofiltiefe müssen sein – sonst verliert ein Reifen seine Wintereigenschaften!“

(C) pr.nrw / v.l.n.r.: Peter Groß (Vergölst), Gert Schleichert (Auto Club Europa/ACE) und Norbert Allgäuer (Pirelli) beantworten die Fragen der Autofahrer und Autofahrerinnen.

Es ist wieder soweit: Der Oktober ist da und alle Autofahrerinnen und Autofahrer sind aufgerufen, ihr Auto winterfit zu machen. Was sagt der Gesetzgeber zum Thema Winterreifen? Sind Ganzjahresreifen erlaubt? Welche Profiltiefe müssen die Reifen haben? Was ist der Unterschied zwischen guten und schlechten Reifen? Die Antworten wussten die Reifenexperten des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und seiner Partner:

Was genau bedeutet eigentlich „situative Winterreifenpflicht“?

Dipl.-Ing. / Dipl. Wirtsch. Ing. Norbert Allgäuer-Wiederhold: Mit der Winterreifen-Verordnung aus dem Jahr 2010 hat der Gesetzgeber genau festgelegt, bei welchen Witterungsverhältnissen ein Winterreifen gefahren werden muss: bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Verstöße werden mit 40 Euro Bußgeld geahndet, bei Behinderung des Straßenverkehrs sind es sogar 80 Euro.

Kann ich mit dem Reifenwechsel also bis zum ersten Wintereinbruch warten?

Gert Schleichert: Experten empfehlen weiterhin die alte „O bis O-Regelung“: Winterreifen von Oktober bis Ostern. Denn bereits wenn die durchschnittlichen Temperaturen unter sieben Grad fallen, sind Winterreifen gegenüber Sommerreifen im Vorteil. Die spezielle Laufflächenmischung verhärtet bei kühlen Temperaturen nicht so schnell – die Reifen haben deshalb einen besseren Grip.

Was ist für den Gesetzgeber ein Winterreifen?

Frank Doppelhamer: Ein Reifen mit der Kennzeichnung M+S für „Matsch und Schnee“ ist laut der „Richtlinie 92/23/EWG“ der Straßenverkehrsordnung ein Winterreifen.

Und was hat dann das Schneeflockensymbol zu bedeuten?

F. Doppelhamer: Das Schneeflockensymbol zeigt an, dass die Mindestanforderungen an die Wintertauglichkeit eines Reifens durch Tests erfüllt sind. Die Reifenindustrie hat das Schneeflockensymbol als Reaktion auf die mangelhafte Aussagekraft des M+S-Zeichens eingeführt: Für das M+S-Siegel gibt es keine verbindlichen Qualitätsstandards.

Was sagt das neue EU-Reifenlabel über die Wintereigenschaften eines Reifens aus?

Dipl.-Ing. (FH) Christian Koch: Nur sehr wenig. Denn Eigenschaften, wie der Grip auf Schnee und Eis, die ausschlaggebend für einen guten Winterreifen sind, werden überhaupt nicht bewertet. Das Label bildet lediglich die Qualität eines Reifens in drei Kategorien ab: Rollwiderstand, Außengeräusch und Nasshaftung – insgesamt hat ein Reifen aber etwa 20 wichtige Leistungsmerkmale.

Wie finde ich dann einen Qualitätsreifen?

Peter Groß: Die großen Automobilclubs testen jedes Jahr im Herbst die neuen Winterreifen und veröffentlichen die Testergebnisse. Hier erhalten Sie einen guten Überblick über die Qualität der unterschiedlichen Produkte. Im Fachhandel und in Kfz-Werkstätten können Sie sich darüber hinaus beim Reifenkauf individuell beraten lassen.

Welchen Einfluss hat die Reifenqualität auf die Sicherheit?

Dipl.-Ing. / Dipl. Wirtsch. Ing. N. Allgäuer-Wiederhold: Die Testergebnisse zeigen immer wieder deutlich, dass es große Unterschiede in den wichtigen Sicherheitseigenschaften bei Reifen gibt. Qualitativ bessere Reifen haben wesentlich kürzere Bremswege, greifen bei Schnee und Eis kraftvoller und halten das Fahrzeug in Kurven somit besser in der Spur. Auch die Lebensdauer ist meist länger.

Warum empfehlen Expertinnen und Experten 4 Millimeter Mindestprofiltiefe für Winterreifen – der Gesetzgeber schreibt doch nur 1,6 Millimeter vor?

Dipl.-Ing. Stefan Ehl: Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern entspricht nicht der sicherheitsrelevanten Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern – da sind sich die Experten einig. Bei einer Profiltiefe, die 4 Millimeter unterschreitet, verliert ein Reifen wichtige Wintereigenschaften, wie die Funktion der Lamellen, die sich mit dem Untergrund verzahnen. Das hat Einfluss auf den Bremsweg und den Seitenhalt des Fahrzeugs beim Lenken. Überprüfen Sie vor dem Reifenwechsel deshalb stets die Profiltiefe Ihrer Winterreifen.

Wie viel muss ich für einen guten Winterreifen ausgeben?

G. Schleichert: Die Preise variieren allein unter den Markenreifen relativ stark: Um einen Kleinstwagen im Fachhandel mit vier Markenreifen auszustatten, müssen Sie in etwa 260 bis 450 Euro ausgeben – für einen SUV liegen die Kosten bei rund 750 bis 1200 Euro. Eine Beratung ist hier durchaus sinnvoll: Sind Sie beispielsweise mit einem Auto unterwegs, das keine hohen Geschwindigkeiten erreicht, müssen Sie keinen Reifen wählen, der für Höchstgeschwindigkeiten ausgelegt ist – und können so Geld sparen, ohne bei der Sicherheit Abstriche zu machen.

Sind Ganzjahresreifen für die Winterzeit genauso gut geeignet wie Winterreifen?

Dipl.-Ing. S. Ehl: Ein Ganzjahresreifen ist nicht so wintertauglich wie ein echter Winterreifen – unter Sicherheitsaspekten stellt er immer einen Kompromiss dar. Wenn Sie hauptsächlich in städtischen Gebieten im Flachland unterwegs sind, kann ein Ganzjahresreifen aber eine Lösung sein. Ein Ganzjahresreifen ist nach der Winterreifenverordnung aber nur dann zugelassen, wenn er zumindest die M+S-Kennzeichnung hat.

Kann ich meine Sommerreifen nicht auch im Winter weiter fahren, wenn Sie noch viel Profil haben?

P. Groß: Nein, denn Winterreifen sind speziell für winterliche Wetterlagen mit Kälte, Eis und Schnee entwickelt. Einem Sommerreifen fehlen diese wintertauglichen Eigenschaften.

Werden Winterreifen mit dem gleichen Luftdruck gefahren wie Sommerreifen?

Dipl.-Ing. C. Koch: Grundsätzlich gilt der empfohlene Reifendruck sowohl für Sommer- wie auch für Winterreifen – es sei denn es wird ausdrücklich ein unterschiedlicher Reifendruck empfohlen. Angaben zum korrekten Reifendruck finden Sie in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Diesen Basisluftdruck sollten Sie unter Umständen Ihrer individuellen Fahrweise oder der Fahrzeugbelastung anpassen.

Was muss ich bei der Montage der Reifen beachten?

Stephan Kober: Die Montage von Reifen sollte unbedingt dem Fachmann überlassen werden: Ansprechpartner sind hier die Meisterwerkstätten der Kfz-Innungen. Die Radmuttern müssen mit dem richtigen Drehmoment befestigt werden – sonst können sie sich lösen. Daneben ist es unter Sicherheitsaspekten sehr sinnvoll, wenn ein Mal im Halbjahr ein Experte die Reifen auf Risse oder Einfahrschäden untersucht und überprüft, ob noch genug Profil vorhanden ist.