Was sind runderneuerte Reifen?

Früher hat man noch häufiger von runderneuerten Reifen gehört, für Pkw spielen sie heute nur noch eine untergeordnete Rolle, weil es kaum noch Anbieter von runderneuerten Pkw-Reifen gibt. Gerade für Nutzfahrzeugreifen werden runderneuerte Reifen jedoch häufig noch eingesetzt.

Rundererneuerte Reifen

Aber was heißt eigentlich runderneuert?
Um zu verstehen was ein runderneuerter Reifen ist, muss man sich den Aufbau eines Reifens vor Augen führen: Reifen bestehen aus einer Karkasse (dem Reifenunterbau) und einem Profilstreifen. Der Profilstreifen ist der Teil, der auf der Straße aufliegt und der während der Lebensdauer von Reifen abgefahren wird. Er macht jedoch nur einen kleinen Teil des Reifens aus. Herzstück des Reifens ist die Karkasse, die stabile Konstruktion aus Stahlgürtel und weiteren Materialien zur Stabilisierung. Sie trägt die Hauptlast des Reifens und das Gewicht des Fahrzeuges. Ist das Profil eines Reifens abgefahren, sind häufig die Karkassen noch gänzlich unbeschädigt. Und genau an diesem Punkt setzt die Runderneuerung an: Bei ihr werden unbeschädigte Karkassen genutzt und „runderneuert“, d.h. sie bekommen einen neuen Profilstreifen, so dass die Reifen erneut eingesetzt werden können.
Bei der Runderneuerung unterscheidet man zwei gängige Verfahren: die Kalt- und die Heiß-Runderneuerung.

So funktioniert die Runderneuerung:
Zunächst werden die abgefahren Reifenkarkassen per Lasertechnologie durchleuchtet und vorbeschädigte Reifen aussortiert, so dass nur einwandfreie Karkassen weiterverarbeitet werden.
Raumaschinen entfernen daraufhin den alten Laufflächengummi bis auf die Kontur. Diese Schritte sind bei beiden Runderneuerungs-Prozessen identisch.

Heißrunderneuerung
Bei der Heißrunderneuerung (auch Moulding genannt) wird dann nicht vulkanisiertes Laufflächenmaterial, also Rohgummi, auf die Karkasse aufgebracht. Der so entstandene Rohling des Reifens kommt zum Schluss in eine Heizpresse, wo unter einem Druck von rund 15 bar und bei einer Temperatur von 160 °C das neue Profil geformt wird und der Gummi durch Vulkanisation vom plastischen in den elastischen Zustand übergeht.

Kaltrunderneuerung
Bei der Kaltrunderneuerung (dem so genannten Premoulding) werden fertig geformte Laufstreifen auf den Reifen aufgebracht. Hier ist also das Profil bereits in Form und wird auf die Karkasse gelegt und dann bei Temperaturen zwischen 100°C und 120 °C aufvulkanisiert.

Warum werden Reifen runderneuert?
Bei der Runderneuerung eines Reifens wird, im Vergleich zur Neuproduktion eines Reifens, signifikant weniger Rohstoff benötigt. Zudem wird durch die Runderneuerung Abfall (nämlich Altreifen) vermieden. Bei Nutzfahrzeugreifen geht damit eine Kostenersparnis einher. Bei Pkw-Reifen ist diese Kostenersparnis in diesem Maße nicht vorhanden, weswegen in Deutschland kaum noch runderneuerte Pkw-Reifen angeboten werden.