Über die Verwendung von Reifengas

Ist Stickstoff im Reifen eine sinnvolle Alternative?

Statt Luft wird Stickstoff in die Reifen gefüllt. Dadurch soll der Reifendruck länger konstant bleiben, der Reifedruck nicht mehr so oft kontrolliert werden müssen und auch im Allgemeinen soll die Befüllung mehr Sicherheit versprechen.

Fangen wir mit den Fakten an: Stickstoff wird als sogenanntes Reifengas unter verschiedenen Handelsbezeichnungen angepriesen. Es stimmt: Stickstoff hat aufgrund seiner größeren Moleküle eine geringere Diffusivität als Sauerstoff und entweicht deshalb auch langsamer aus einem Reifen. Als weiteres Argument für eine Stickstofffüllung wird die geringere Brandgefahr angeführt. Auch das ist korrekt und macht Sinn. Stickstoff hat den Vorteil, dass er nicht entzündlich ist – daher der Name “Stick-Stoff” – und damit sogar Feuer erstickt. Sauerstoff dagegen ist die Grundlage für jedes Feuer, wirkt also brandbeschleunigend. Gerade bei der Verwendung von Reifengas in Reifen von Verkehrsflugzeugen, Formel-1-Rennwagen, Fahrzeugen für Einsätze in Tunneln und Bergwerken etc., wird unter anderem die Gefahr der Brandentwicklung bei platzenden Reifen minimiert. Das ist ein klarer Vorteil, der jedoch auf normale Pkw-Reifen nicht übertragbar ist. Der Reifeninnendruck (üblicherweise zwischen 7 und 10 bar) sowie die Luftfüllmenge ist im Vergleich zu Pkw-Reifen wesentlich höher. Bei Verkehrsflugzeugen entstehen z.B. bei der Landung sehr starke Belastungen, weil diese beim Aufsetzen auf die Landebahn in sehr kurzer Zeit sehr stark beschleunigt werden – Gefährdungen, die bei einem Pkw nicht bestehen.

Druckluftprüfung

 

Teure Füllung aber weniger Druckverlust

Möchten Sie alle vier Reifen Ihres Pkw mit Stickstoff bzw. dem sogenannten Reifengas befüllen, kostet Sie das ca. 12 Euro. Anbieter geben an, dass die Druckkontrolle seltener stattfinden muss, da die Autoreifen weniger Druck verlieren. Das ist ein Trugschluss. Selbst in Bezug auf Verschleiß und Spritverbrauch soll sich Stickstoff im Reifen positiv auswirken. Bei Tests ergab sich, dass sich die Druckunterschiede von mit Luft und mit Stickstoff befüllten Reifen auch nach mehreren Monaten nur innerhalb weniger Hundertstel bar Reifendruck bewegte – ein Unterschied, der kaum der Rede wert ist. Handelsübliches Reifengas besitzt in der Regel einen Stickstoffgehalt von etwa 90 Prozent. Zum Vergleich: Luft – und damit ebenso die Druckluft – enthält etwa 78 Prozent Stickstoff. Nimmt man also an, dass der diffusionsbedingte Druckverlust an intakten Reifen über drei Monate schätzungsweise 0,1 bar beträgt, wird deutlich, dass dies nicht der Grund sein kann, auf Stickstoff umzusteigen und die regelmäßigen Reifendruckprüfungen zu unterlassen.

Reifendruckkontrolle bleibt notwendig

Denn andere mögliche Druckverluste, z.B. durch Undichtigkeiten und Beschädigungen, spielen eine wesentlich größere Rolle. Auf diesen Druckverlust haben die spezifischen Eigenschaften des eingefüllten Reifengases keinen Einfluss, denn durch ein Loch im Reifen entweicht auch jedes andere Gas. Eine Stickstoffbefüllung befreit also nicht von der Verpflichtung, den Druck regelmäßig – also etwa alle zwei Wochen – zu prüfen. Aufgrund von mit “Füllgas” ausgestatteten Reifen die Kontrollintervalle auszuweiten, ist gefährlich, da sie letztendlich zu einem sorgloseren Umgang mit der Pflicht zur Reifendruckkontrolle führen kann. Selbst Autoexperten warnen davor, dass das Befüllen von Reifen mit Stickstoff dem Fahrer zu viel Sicherheit vermitteln kann und somit auf das regelmäßige Überprüfen vom Reifendruck verzichtet wird.

Wer mit Stickstoff im Reifen fährt, sollte daher genauso regelmäßig den Reifendruck checken, wie Fahrende mit normaler Luft.